Dies ist die Geschichte eines Schiffes, das zur falschen Zeit am falschen Ort war; und die Geschichte von Adel und Abdullah, die im August 2002 aus dem Irak nach Bremerhaven kommen, um auf dieses Schiff aufzupassen.


Seit 15 Jahren liegt der irakische Frachter „Al-Zahraa“ (übersetzt: die Rose) in Bremerhaven fest. Eigentlich mussten 1990 nur die Motoren repariert werden. Aber als sie gerade ausgebaut sind, verhängt die UNO ein Embargo, weil der Irak Kuweit angegriffen hat. Seitdem ist der 110 Meter lange Frachter, der im Iran-Irakkrieg Panzer transportierte, im Hafen arretiert und rostet langsam vor sich hin.


Der irakische Schiffseigner schickt in Halbjahresabständen zwei Männer, die den Frachter bewachen sollen. Da schon die ersten Wachmannschaften alles verkauft haben, was nicht niet- und nagelfest war, gibt es streng genommen schon lange nichts mehr, was zu bewachen wäre. Das Schiff rostet vor sich hin, die Farbe blättert in dicken Schichten ab.
Adel und Abdullah sind die Wachmannschaft, die am längsten in Deutschland bleibt. Es hätte ein leichter Job werden können. Ein halbes Jahr bezahltes Nichtstun und dann zurück in die Heimat.

 

 

 

Liegestuhl auf dem Sonnendeck, Tischtennis in der Offiziersmesse, schlafen, solange man will. Aber dann passiert etwas Unvorhergesehenes: Die USA greifen den Irak an, über Bagdad steigen Rauchfahnen auf. Adel und Abdullah verfolgen im Fernsehen, wie ihre Heimat zerbombt wird und immer tiefer im Chaos versinkt. Drei Monate reißt der Kontakt zu ihren Familien vollständig ab. Der Job wird nun zur Qual, das Schiff zum Gefängnis.
Und die erhoffte Ablösung kommt nicht ....


Als Adels Mutter Mitte 2004 stirbt, erzwingen sie die Rückkehr - nach zwei Jahren in Bremerhaven. In die große Freude über die Heimkehr mischt sich ein anderes Gefühl: auch im Irak sind sie erst mal zu Fremden geworden. Selbst in der Familie ist es schwer.


Der 50-Minuten-Dokumentarfilm von Knud Vetten und Andreas Wenderoth begleitet die beiden Wachleute durch die Monotonie ihres Bord-Alltags, der seine Spannung aus den Ereignissen im Irak bezieht. So erleben Adel und Abdullah den Umbruch in ihrem Land auf ihrem Frachter in Bremerhaven. Weltgeschichte via Fernsehen. Den allumfassenden Folgen können sie sich - so weit sie auch weg sind - nicht entziehen. Der Film erzählt von Hoffnung und Heimweh, Entwurzelung und Sehnsüchten.